Forschungsgruppen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

In den nächsten Wochen stellen wir auf unserem Blog die Inhalte der Workshops am Samstag, den 28. Januar 2017 im Rahmen des Symposiums Ökonomisierung der Wissenschaft vor. Den Anfang machen wir mit dem Workshop „Forschungsgruppen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ von Anna Schleisiek.

Mit der These der Ökonomisierung der Wissenschaft geht die Befürchtung einher, dass ökonomische Prinzipien eine zunehmende Bedeutung im wissenschaftlichen Feld gewinnen und dort zu einen Bruch mit den  etablierten Praktiken der Wissenschaft führen.

Uwe Schimank und Ute Volkmann (2008) definieren Ökonomisierung allgemein als Vorgang, „…durch den Strukturen, Prozesse, Orientierungen und Effekte, die man gemeinhin mit einer kapitalistischen Wirtschaft verbindet, gesellschaftlich wirkmächtiger werden.“ (Schimank, Volkmann 2008: 382). Anschließend an diese Definition stellt sich die Frage, durch welche Prozesse und in welcher Form diese ökonomischen Prinzipien in den wissenschaftlichen Alltag Eingang finden und wie dort mit ihnen umgegangen wird.

Wissenschaftliche Alltagspraxis ist in vielen Fällen in Forschungsgruppen organisiert. Diese sind heterogen, so unterscheiden sie sich unter Anderem danach, ob sie an einer Universität oder einer außeruniversitären Einrichtung angesiedelt sind, welcher Disziplin sie folgen und wie sie ausgestattet sind. Auch ihre Mitglieder gehören unterschiedlichen Gruppe an, wie Doktoranden, Hilfskräfte, wissenschaftliche Mitarbeitende, Post-Docs, Habilitanden und Professoren, die unterschiedlich von ökonomischer Einflussnahme und Strategien des Umgangs mit ihnen betroffen sind.

Eine Forschungsgruppe in den Ingenieurswissenschaften hat beispielsweise eine grundlegend andere Ausgangssituation als eine Forschungsgruppe, die geisteswissenschaftlich arbeitet. Dies betrifft so unterschiedliche Aspekte wie die Verfügbarkeit von Drittmitteln, die Ausstattung der Gruppen, oder auch ihre Nähe zur Wirtschaft. Eine ingenieurswissenschaftliche Gruppe kann beispielsweise Kooperationen mit Firmen eingehen und zusätzliche Mittel durch das Erbringen von wissenschaftlichen Dienstleistungen für Firmen einnehmen. Mit diesen Möglichkeiten gehen allerdings auch Anforderungen der  Firmen an die Praxis der Gruppen einher, wie Geheimhaltungsvereinbarungen oder ein Verzicht auf Veröffentlichungen gemeinsamer Forschungsergebnisse. Der Verzicht auf Publikationen hat nicht für alle Mitglieder der Gruppe die gleichen Folgen: Für ProfessorInnen hat der Verzicht auf Publikationen andere Konsequenzen als für Gruppenmitglieder am Anfang ihrer (wissenschaftlichen) Karriere.

Forschungsgruppen in verschiedenen Feldern und Disziplinen sind somit auf unterschiedliche Weise mit Ökonomisierungsprozessen konfrontiert und verfolgen unterschiedliche Strategien, um diese mir einer wissenschaftlichen Tätigkeit in Einklang bringen. Ziel des Workshops ist es, sowohl ökonomische Prinzipien im Alltag von Forschungsgruppen als auch Strategien des Umgang mit ihnen zu identifizieren und Handlungsoptionen nachzugehen.

Der Workshop ist in zwei Teile gegliedert: Nach einer Einführung soll in einem ersten Teil die unterschiedlichen Formen von ökonomischer Einflussnahme im Alltag von Forschungsgruppen erarbeitet werden. Hierbei sollen die Erfahrungen der Teilnehmenden in ihren jeweiligen Forschungsfeldern einfließen, um ein möglichst vielschichtiges Bild der unterschiedlichen Formen ökonomischer Einflussnahme und ihrer Auswirkung auf die jeweilige wissenschaftliche Praxis zu erhalten. In einem zweiten Teil soll der Umgang von Forschungsgruppen mit dieser Einflussnahme unter der Leitfrage diskutiert werden, welche Handlungsoptionen es für Forschungsgruppen und ihre Mitglieder gegenüber ökonomischer Einflussnahme gibt.

Literatur:
Schimank, U; Volkmann U. (2008): Die Ökonomisierung der Gesellschaft. In A. Maurer (Hg.), Handbuch der Wirtschaftssoziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 382-393.

Hier geht es zur Anmeldung zum Workshop

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  1. […] zur Workshop-Einteilung rausgegangen. Leider müssten wir euch auch mitteilen, dass der Workshop „Forschungsgruppen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ von aus gesundheitlichen Gründen nicht stattfinden wird. Wir wünschen der Referentin an dieser […]

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